Wir wollen endlich eine Lösung!
14. März 2024
Andreas Rech (271 articles)
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Wir wollen endlich eine Lösung!

BDSW Verhandlungsführer schmettert jeden Versuch einer Einigung kompromisslos ab.

Letzten Freitag, dem 8. März, machten sich trotz Einschränkungen z.B. durch Streiks bei der Bahn, viele Beschäftigte auf den Weg nach Essen um endlich für eine vernünftige Lösung in diesem Tarifkonflikt zu demonstrieren. Currywurst, Sonnenschein und viele, viele neue Kolleginnen und Kollegen, die sich erstmalig den Streikaktionen angeschlossen haben. Immer mehr haben verstanden, dass Tarifverträge eben nicht vom Himmel fallen.

Gestern Abend kam dann eure NRW-Tarifkommission zusammen um die aktuelle Situation zu bewerten. Und ja, auch uns tun die Hacken weh von der ganzen Latscherei. 😉

Natürlich wollen wir endlich eine Lösung! Aber jeder Versuch, mit dem Verhandlungsführer der Arbeitgeber eine, für beide Seiten annehmbare, Lösung zu finden, wird gnadenlos abgeschmettert. Wir können uns nicht vorstellen, dass die gesamte Tarifkommission der Arbeitgeber bereit ist, für einen persönlichen Feldzug, die Branche ins Chaos zu stürzen.

Allgemeinverbindlichkeit ist erstmal weg

Schon jetzt ist der Tarifvertrag nicht mehr allgemeinverbindlich. Aber keine Panik, erstmal wird jetzt niemand mit seinem Lohn herunterfallen. Für Mitglieder der Gewerkschaft befindet sich der alte Tarifvertrag noch in der Nachwirkung. Beschäftigte in Mitgliedsunternehmen des BDSW haben in ihren Arbeitsverträgen üblicherweise eine Klausel, in der die Anwendung der Tarifverträge vereinbart ist.

Auch Beschäftigte in Nicht-BDSW Unternehmen müssen jetzt nicht unbedingt damit rechnen, dass der Arbeitgeber den Lohn kürzt.

Aaaaaber…

Sämtliche, seit 1. Januar neu abgeschlossenen Arbeitsverträge in Nicht-BDSW Unternehmen unterliegen nicht mehr der automatischen Tarifbindung durch die Allgemeinverbindlichkeit. Also bei jedem Auftragswechsel, bei jeder Ausschreibung, besteht also die Gefahr, dass nun irgendwelche Wachgaragen, mit Dumpingpreisen an den Markt gehen, weil sie das Personal vor Ort übernehmen und neue Arbeitsverträge zum gesetzlichen Mindestlohn abschliessen. Das gilt dann solange es keinen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt.

Anschluss-AVE gefährdet

Und ob, bzw. wann, es wieder einen gibt, ist durchaus fraglich, denn je länger die Arbeitgeber sich weigern, mit uns zu verhandeln, desto schlechter stehen die Chancen für eine sogenannnte Anschlussallgemeinverbindlichkeit.

Wir sind bisher davon ausgegangen, dass das auch nicht im Sinne der Arbeitgeber sein kann. Trotzdem beteuert der BDSW Verhandlungsführer, dass die Tarifkommission der Arbeitgeber hier einstimmig unterwegs sei.

Erste Arbeitgeber zahlen schon mehr

Das verwundert uns etwas, denn wie wir inzwischen erfahren haben (Die Mitarbeiterinfo liegt uns vor) hat sich der erste Arbeitgeber inzwischen entschieden, seinen Beschäftigten freiwillig die Löhne um 10% zu erhöhen. Und zwar…haltet euch fest… rückwirkend zum 1. Januar.

Und wie wie gestern erfahren haben, hat ein weiterer Arbeitgeber auch zumindest im Empfangsbereich die Löhne bereits deutlich erhöht. Auch hier um deutlich mehr als 6,9%.

Offensichtlich sind garnicht die Kunden die Quertreiber. Oder unsere Aktionen zeigen endlich Wirkung. Oder, oder, oder… Ganz offensichtlich gibt es Arbeitgeber, die genau wie wir, den Konflikt endlich lösen wollen. Und offensichtlich wollen die Kunden das auch.

Wir haben jedenfalls die Schnauze voll. Und deswegen kämpfen wir.

Da ist sich unsere Tarifkommission nämlich einig! Die nächsten Aktionen sind dann wieder mit weniger Latscherei. Hoffentlich… 😉

Andreas Rech