Arbeitgeber verweigern sich weiterhin
15. Februar 2024
Andreas Rech (271 articles)
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Arbeitgeber verweigern sich weiterhin

Wieder keine Verhandlung, Arbeitgeber haben jegliche Bodenhaftung verloren

Gestern, am 14.2.24, traf unsere Tarifkommission erneut mit den Vertretern des Arbeitgeberverbandes zusammen um über Lösungen im laufenden Tarifkonflikt zu verhandeln. Und diesmal haben wir sogar die Zeitreise rückwärts geschafft. Die Verhandlungen sollten um 11 Uhr beginnen, schon einige Minuten vorher fanden wir uns im Verhandlungsraum ein. Um Exakt 10:59 Uhr war allerdings bereits klar, dass die Arbeitgeber auch diesmal wieder kein Verhandlungsangebot vorlegen würden. Also war die “Verhandlung” (wenn man das so nennen soll) schon vor Beginn de facto beendet.

Trotzdem gab es noch einige Wortwechsel, die wir euch nicht vorenthalten wollen:

Arbeitgeber fühlen sich zu Unrecht kritisiert

Die Arbeitgeber beklagten sich darüber, dass wir ihnen fehlende Wertschätzung der Beschäftigten und null Verständnis für die immer schwieriger werdende Situation der Beschäftigten vorwerfen. Wir erinnern uns allerdings noch genau, was ein Arbeitgebervertreter beim Verhandlungsauftakt von sich gab. O-Ton: “Also ich könnte nicht von 13 Euro die Stunde leben, aber Respekt an die, die es können.”

Und die längst fällige faire Lohnerhöhung zu verweigern ist natürlich sehr wertschätzend. Und die vielen Bedrohungen, Einschüchterungsversuche und Beleidigungen die uns geschildert werden, natürlich auch.

Ein anderer Arbeitgebervertreter hat offenbar den Verhandlungsverlauf garnicht richtig mitbekommen.

Von Gewerkschaftsseite wurde kritisiert, dass die Arbeitgeber sich seit dem 18. Dezember keinen Millimeter mehr bewegt haben. Ein Arbeitgebervertreter hielt dagegen, dass man sich doch sehr wohl seitdem in Schritten auf verdi zubewegt hätte. Wir fassen diesen Dialog mal sinngemäß zusammen 🙂

Antwort verdi: Nein, haben sie nicht (Jeder neue Verhandlungsstand, jedes Angebot, jede Zahl, die in den Raum geworfen wird, wird von beiden Parteien peinlich genau dokumentiert.)

Arbeitgeber: Doch, in kleinen Schritten…

verdi: Nein, kein bisschen

Arbeitgeber: In ganz kleinen…

verdi: Nein, in garkeinen Schritten…

Arbeitgeber: Ja gut, ich war ja auch nicht immer dabei…

Echt jetzt? Was war das denn bitte?

wasi-nrw stört die Arbeitgeber offenbar massiv

Statt sich auf die Tarifrunde zu konzentrieren, wurde sich ständig und immer wieder über die Berichterstattung auf wasi-nrw.de beschwert. Ich würde mich schlecht fühlen, wenn es anders wäre.

Ein wichtiger Punkt wurde angesprochen

Die Leermonate: Die Arbeitgeber wurden von verdi deutlich aufgefordert, die Lohnerhöhungen mindestens in Höhe des augenblicklichen Verhandlungsstandes (6,9%) sofort an die Beschäftigten zu zahlen. Und zwar erstmal unabhängig von einem tatsächlichen Tarifabschluss. Diese Zahlung würde dann auf ein späteres Tarifergebnis natürlich angerechnet werden.

(Ein Beispiel: Ein Beschäftigter in der untersten Lohngruppe würde nach augenblicklichem Verhandlungsstand 90 Cent/Stunde mehr bekommen. Diese können also schon jetzt zur Auszahlung kommen. Landen wir vielleicht am Ende bei einem Tarifergebnis von 90 Cent plus X, würde nur noch der Differenzbetrag nachgezahlt werden müssen.)

Das ist möglich, wäre eine saubere Lösung und wurde auch von verdi so gefordert. Aber spannenderweise wurde das von den Arbeitgebern verweigert. Natürlich sind die Leermonate Absicht, weil das das Druckmittel gegen euch ist. Gleichzeitig ist die Behauptung, eine rückwirkende Zahlung sei nicht möglich, genau so frei erfunden und willkürlich, wie die Behauptung mehr als 6,9% sei nicht möglich. Wahrscheinlich wieder der berühmt-berüchtigte Marktinstinkt.

Die Behauptung der Arbeitgeber, verdi würde dafür sorgen, dass sich die Lohnerhöhung immer weiter nach hinten verschiebt, ist also ein Märchen.

Plötzlich Bewegung? Nur zum Schein…

Als den Arbeitgebern klar wurde, dass wir das gleiche Angebot, das wir schon mehrfach abgelehnt haben auch diesmal nicht annehmen würden, versuchten sie es einfach mal mit Dreistigkeit. Sie erhöhten ihr Angebot um satte 0,6 Prozentpunkte. Also natürlich nicht für euch alle, sondern nur für die handvoll Kolleginnen und Kollegen an den ktas und Bundeswehrliegenschaften. Die große Masse der Beschäftigten soll weiter leer ausgehen. Das hilft uns also an der Stelle kein bisschen. Das ist einfach nur der Versuch uns zu spalten und eine Gruppe streikbereiter Kollegen “herauszukaufen”. Nicht mit uns!

Aus unserer Sicht haben sich die Arbeitgeber hier verrannt. Sie verhindern nicht nur den Tarifabschluss, sondern gefährden auch die AVE und verhindern die Planungssicherheit für die Kunden. Von der Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche mal ganz zu schweigen.

Wie gehts jetzt weiter?

Im Anschluss an dieses seltsame Treffen hat sich die Tarifkommission zusammengesetzt und mal alles auf den Tisch geworfen und bewertet. Die Stimmung in den Betrieben, die Streikbereitschaft, sind wir mehr oder weniger geworden, aber auch die Sorge vor Leermonaten, Aufwand/Wirkung-Verhältnis der Streiks aber auch der Blick in die Zukunft. Was würde das bedeuten, wenn wir dieses Angebot annehmen? Jedes Mitglied der Tarifkommission hat seine Meinung geäussert, aus seinen Betrieben berichtet, und wie er/sie die Verhandlungen bisher erlebt. Wir haben ja einige Tarifkommissionsmitglieder, die das erste Mal dabei sind und entsetzt sind, wie sich ihre Arbeitgeber hinter den Kulissen verhalten.

Und dann war er da, der Gänsehautmoment. Jedes einzelne Tarifkommissionsmitglied hat sich klar und deutlich für eine Fortsetzung des Arbeitskampfes ausgesprochen.

Ein Hoch auf die Mutigen

Ich hatte bei facebook in einem Kommentar schon geschrieben, was ich in den letzten Wochen für tolle Leute getroffen und kennengelernt habe. Kolleginnen und Kollegen, die ihren ganzen Mut zusammengenommen haben und zum ersten Mal in ihrem Leben gestreikt haben. Und genau mit denen stehe ich gerne draussen. Und genau für diese Kolleginnen und Kollegen bin ich gerne bereit zu kämpfen. Auch wenn wir nur ein paar hundert Leute waren, haben diese paar hundert Leute mehr Arsch in der Hose, als tausende andere, die nur meckern, herumstänkern, selbst nichts tun wollen, von anderen aber fordern, dass sie sich für sie einsetzen sollen.

Wir wissen, dass es sich dabei um genau die gleichen Leute handelt, die auch bei einer Annahme des “Angebotes” im Internet die Klappe aufgerissen hätten, wir wären eingeknickt.

Wir wissen aber auch, dass es noch viele andere Kolleginnen und Kollegen gibt, die sich uns gerne anschliessen würden, es aber nicht können, entweder aufgrund verschiedener Notdienstpflichten oder weil ihr Arbeitgeber nicht im Arbeitgeberverband ist.

Die Arbeitgeber tun so, als wenn unsere Streiks nichts bewirkt hätten. Warum werden dann so viele Anstrengungen unternommen, um euch falsch zu informieren? Warum werden dann Leute eingeschüchtert und sogar bedroht? Warum versuchen Arbeitgeber euch gegen eure Kolleginnen und Kollegen aufzuhetzen? Warum werden Streikteilnehmer von ihren Vorgesetzten als Asoziale bezeichnet?

Wenn unsere Streiks doch angeblich so wirkungslos sind, dass sie den Arbeitgebern garnichts ausmachen?

Wir ziehen datt jetzt durch

Wir hören jetzt nicht mittendrin auf. Aber natürlich hoffen wir, dass sich weitere streikbereite Kolleginnen und Kollegen bei uns melden. Und an diejenigen, denen das zu lange dauert: Es würde vielleicht schneller gehen, wenn ihr mitmachen würdet.

Funfact am Rande. Wir haben uns ja mit den Streikenden am Flughafen getroffen. Bei der Firma Klüh, die auch am Flughafen Sicherheitspersonal stellt, werden Streikbrecher mit 200 Euro pro Streikbruchtag belohnt. Streikbrecher im wasi-Bereich machen es umsonst…

Natürlich wollen wir nicht immer nur mit den gleichen paar hundert Leuten um den Block laufen. Also haben wir uns die nächste Großaktion überlegt, die aber noch etwas Vorbereitung erfordert.

Es wird weitere gezielte Aktionen geben und wir bereiten grade das nächste Eskalationsszenario vor.

Was ihr jetzt schonmal tun könnt

Es ist wichtig, dass wir von unseren Mitgliedern die richtigen Kontaktdaten hinterlegt haben. Jedesmal wenn wir unsere Mitglieder anschreiben um sie zu informieren kommt ein kleiner Teil zurück, weil Leute irgendwann mal umgezogen sind uns ihre neue Anschrift nicht bei uns hinterlegt haben. Auch Arbeitgeberwechsel werden oft nicht bei uns gemeldet, so dass ihr bei uns zum Teil in falschen Unternehmen geführt werdet. Über das Portal meine.verdi.de könnt ihr selbst überprüfen, ob die bei uns hinterlegten Daten richtig und vollständig sind und das gegebenenfalls selbst ändern.

Das besondere ist aber, dass über dieses Portal zukünftig euer Streikgeld schneller und einfacher erfasst werden kann. Im Falle eines Streiks bekommt ihr nämlich dann einen QR Code auf euer Handy, den ihr nur kurz vorzeigen müsst und der dann abgescannt wird. Damit entfällt das komplette lästige Ausfüllen der Streikgeldanträge, das Abfrieren der Finger, Kugelschreiber, die nicht schreiben, Wind, der die Blätter wegfegt usw. 🙂

In einigen Bereichen arbeiten wir bereits damit und das ist echt klasse. Da gibts noch ne ganze Menge andere Optionen, die wir hier mal in Ruhe vorstellen wollen.

Was ihr noch tun könnt

Wir müssen noch mehr werden. Seht in den Spiegel. Wir haben viele neue Mitglieder gewonnen. Und die meisten haben zum ersten Mal in ihrem Leben gestreikt. Wir werden in dieser Tarifrunde nicht die Welt verändern, aber wir erkämpfen uns Respekt. Und den lassen wir uns nicht mehr wegnehmen. Den nehmen wir mit in die nächste Runde. Und wir sind mehr geworden. Jetzt müssen wir uns gegenseitig stärken, uns Mut zusprechen. Weitere Leute gewinnen, noch mehr werden, noch stärker werden. Glaubt nicht den zum Teil wirren Aussagen eurer Arbeitgeber, Streiks wären Arbeitsverweigerung oder ihr wärt schadensersatzpflichtig. Auch das gehört in die Kategorie Märchenstunde!

Ach und noch eine andere Aktion, die euch sicher gefallen wird, bereiten wir auch grade vor.

Wir erhöhen jetzt den Druck!

Weitere Infos kommen, sobald es sie gibt 😉

stay tuned

Andreas Rech