ARD Doku „Sicherheit außer Kontrolle“. Mein Kommentar
16. Februar 2017 Share

ARD Doku „Sicherheit außer Kontrolle“. Mein Kommentar

Am Montag, dem 13. Februar sorgte eine weitere Berichterstattung im Fernsehen über angebliche Wahrheiten über die Sicherheitsbranche für Kopfschütteln bei vielen Beschäftigten. Schon zu Beginn der Reportage wurde schnell deutlich, wohin die Reise geht. Von Anfang an wurden bereits bekannte Klischees bedient: Viele kommen aus der Türsteherszene, die Branche zieht zwielichtige Gestalten an und dann gibt es auch noch die vielen rechtsradikalen.

Völlig falsches Bild

Die vielen tausende Kolleginnen und Kollegen, täglich rund um die Uhr den Kopf in einem immer schwierigeren Umfeld herhalten müssen, wurden hier nicht erwähnt. Dass die überwiegende Mehrheit gute und saubere Arbeit macht und den Job ernsthaft und seriös ausübt, wurde nicht dargestellt. Die Umstände und schlechten Arbeitsbedingungen waren wohl Nebensache.

Das ist traurig, zumal im Vorfeld dieser Sendung umfangreiche Gespräche, sowohl mit Özay Tarim, als auch mit mir, als Vertretern der Gewerkschaft, über die Arbeitsumstände aus Sicht der Beschäftigten stattgefunden haben. Doch diese Darstellung wurde komplett gestrichen und nicht gesendet.

Wer trägt die Verantwortung für Sicherheitslücken an den Flughäfen?

Das beliebte Thema Sicherheit an den Verkehrsflughäfen wurde natürlich auch aufgegriffen. Und hier kam ein Kollege der GdP zu Wort, der tatsächlich behauptete, die Bundespolizei kenne die eingesetzten Mitarbeiter garnicht. Und das, obwohl jeder einzelne der dort eingesetzten Sicherheitbeschäftigten sicherheitsüberprüft ist und seine Prüfung doch vor der Bundespolizei abgelegt hat? Dass die von der Bundespolizei bereitgestellte Technik zum Teil fehlerhaft ist, die Software komplett veraltet und die Schulungen unzureichend sind, verschweigt er dabei galant.

Ein paar Wahrheiten gab es dann doch

Gut war an der Berichterstattung dann allerdings dass die Praxis der Auftragsvergabe nach dem billigsten Angebot angesprochen wurde und wie fahrlässig Behörden und öffentliche Hand mit dem Thema umgehen. Wäre Stephan Leukert, der hier offen und unverblümt diese Missstände anprangerte nicht gewesen, wäre diese Sendung nichts anderes gewesen, als das übliche „Security-Bashing“ was wir ständig erleben.

Ich persönlich finde übrigens Begrifflichkeiten wie „Sicherheitsbeschäftigte“ oder „Sicherheitskräfte“ schöner als „Security“ oder „Wachmann“. Auch das hat in meinen Augen etwas mit Wertschätzung zu tun. Doch davon gab es in dieser Doku wenig für die Kolleginnen und Kollegen.

Aber dieses Bild wollen wir so nicht stehen lassen

Unmittelbar nach der ersten Ausstrahlung am Montag Abend führten wir selbst weitere Gespräche mit verschiedenen Pressevertretern und stellten unsere Sicht der Dinge dar. Und einige griffen unsere Theman dann auch auf und zeigen plötzlich eine andere Seite auf. Und auf einer Betriebsversammlung am Köln/Bonner Flughafen am Mittwoch, gab dann ein Vertreter der Bundespolizei vor 150 Kötterbeschäftigten die von der Bundespolizei selbst herbeigeführten Missstände zu!

Wer also die ARD Doku „Sicherheit außer Kontrolle“ gesehen hat, oder vorhat, das noch zu tun, sollte also auch unbedingt diese Berichterstattungen verfolgen:

Rheinische Post

Westdeutsche Zeitung

Express

WDR Nachrichten

WDR Lokalzeit