Wie zuverlässig sind die Mitgliedsunternehmen des BDSW?

23. Dezember 2014 | Von | Kategorie: Aktuelles, Leitartikel, Tarifrunde

Am 9. Dezember fand in NRW die 2. Verhandlungsrunde für einen neuen Lohn- und Gehaltstarifvertrag für das Wach- und Sicherheitsgewerbe in NRW statt. Ergebnislos, denn die Arbeitgeber legten wieder kein verhandlungsfähiges Angebot vor. Nicht um einen Cent haben sich die Arbeitgeber bewegt. Nicht einmal eine Verhandlungskommission wurde seitens der Arbeitgeber aufgestellt. Doch noch am gleichen Tag gab der BDSW eine Presseinfo heraus, in der die Arbeitgeber erklären, ver.di fehlen die Argumente. Das ist aber falsch!

Richtig ist: Uns fehlen die Worte!

Denn bereits am gleichen Tag berichtete die Rheinische Post über verschiedene Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes, die es offensichtlich nicht so genau nehmen bei der Anwendung der Tarifverträge, die sie selbst mit der Gewerkschaft ver.di verhandelt haben.

Zunächst einmal geht es um die Beschäftigten der Sicherheits- und Ordnungsdienste in Fußballstadien. Auf Schalke werden 7 Euro bezahlt.

Im fachlichen Geltungsbereich des Tarifvertrages steht aber geschrieben: “ Für alle Betriebe des Bewachungs- und Sicherheitsgewerbes sowie für alle Betriebe, die Kontroll- und Ordnungsdienste betreiben, für alle Bewachungsobjekte und Dienststellen, die in Nordrhein Westfalen liegen.“

Im persönlichen Geltungsbereich heißt es weiter: „Für alle in diesen Betrieben tätigen gewerblichen Arbeitnehmer.“

Nun, selbst die unterste Lohngruppe, die übrigens für allgemeinverbindlich erklärt wurde, sichert den Beschäftigten dort wenigstens 9 Euro/Stunde zu.

Und Sicherheitsmitarbeiter bei Veranstaltungen, soweit sie im Ordnungs- oder Informationsdienst eingesetzt sind, bekommen laut allgemeinverbindlichem Tarifvertrag sogar 9,56 Euro/Stunde.

Aber BDSW und Vertreter des betreffenden Unternehmens behaupten, dass die Beschäftigten, die dort laut Arbeitsvertrag als Ordnungskräfte eingesetzt sind und für die ebenfalls laut Arbeitsvertrag die Dienstanweisung für Wach- und Sicherheitstätigkeiten gilt, nicht darunter fallen.

Nochmal: Uns fehlen die Worte!

Außerdem weist die Rheinische Post darauf hin, dass auch Ministerien mal überprüfen sollten, ob die dort eingesetzten Sicherheitsmitarbeiter und Mitarbeiterinnen tariftreu bezahlt werden.

Und das ist scheinbar auch passiert, denn am 17. Dezember berichtet die Rheinische Post, dass das Unternehmen, welches für die Sicherheit im Landeswirtschaftsministerium zuständig ist, aufgeflogen ist.

Auch dieses Unternehmen hält sich nicht an den Tarifvertrag.

Auch dieses Unternehmen ist Mitglied im Arbeitgeberverband BDSW!

 

Inzwischen liegen uns Dienstpläne und Lohnabrechnungen eines weiteren Unternehmens vor, welches Kurzeinsätze von nur 2 Stunden plant und dem eingesetzten Beschäftigten auch nur 2 Stunden bezahlt.

Laut Tarifvertrag müssten aber mindestens 4 Stunden bei Kurzeinsätzen bezahlt werden.

Auch dieses Unternehmen ist Mitglied im Arbeitgeberverband BDSW!

Was soll man dazu noch sagen…

Ja, uns fehlen die Worte!

Weiter:

Im Bundesmanteltarifvertrag für Sicherheitskräfte an den Verkehrsflughäfen lautet §4, Ziffer 1:

Bei einem Auftragswechsel durch Neuvergabe bzw. Ausschreibung hat der neue Auftragnehmer den Beschäftigten im Rahmen des ausgeschriebenen Auftragsvolumens ein Angebot mindestens auf Basis der bisherigen Arbeitsbedingungen (z.B. Beschäftigungszeiten, Urlaubsregelung, Entgelt) zu unterbreiten.

Am Flughafen Köln/Bonn haben wir grade genau diese Situation. Doch gleich zwei Unternehmen haben offensichtlich gemeinschaftlich beschlossen, auch diesen Tarifvertrag einfach mal zu ignorieren.

Und nun ratet mal, wo beide Unternehmen Mitglied sind!

Und genau darum fehlen uns die Worte:

Allerdings nicht so sehr, dass wir stumm zuschauen wollen. Wir werden hier Klartext schreiben und weiterhin für die Einhaltung unserer Tarife kämpfen. Wir werden die Unternehmen, die sich nicht an unsere Tarifverträge halten benennen und auch der Öffentlichkeit gegenüber bekannt machen.

 

Die Artikel aus der Rheinischen Post findet ihr hier:

http://www.rp-online.de/wirtschaft/verdi-sicherheit-soll-nicht-mehr-billig-sein-aid-1.4726206

http://www.rp-online.de/wirtschaft/nrw-kein-mindestlohn-fuer-sicherheitskraefte-in-ministerium-aid-1.4745897

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6 Kommentare auf "Wie zuverlässig sind die Mitgliedsunternehmen des BDSW?"

  1. Gustav sagt:

    ALLE bescheißen beim Fussball!

    Ob auf Schalke, Leverkusen oder KÖln. Die Kollegen werden mit „Pauschalen“ abgegolten. Da sind dann angeblich Rüstzeiten, Wartezeiten und Co. mit bezahlt.

    An diesen Standorten ist im Übrigen ein Unternehmen beteiligt, welches zu 51% einem BDSW-Mitglied gehört und zu 49% einem Chemieriesen.

    Angeblich braucht man die Ordner -laut deren Geschäftsführung- nicht nach Tarif zahlen.
    Das sage auch der DFB.

    Macht jetzt der DFB und/oder die Sicherheitsunternehmen die Gesetze in Deutschland?
    Der allgemeinverbindliche Tarifvertrag gilt für ALLE!

    Aber die überwiegende Anzahl der eingesetzten Kräfte haben nicht mal eine Schulung nach § 34 a von Sachkunde mal abgesehen.

    Angeblich auch alles legal.

    Toll, wenn Gesetze so ausgelegt werden und es keinen Zoll, keine Ordnungsbehörde und auch niemanden sonst zu interessieren scheint!

  2. Christian sagt:

    Sprachlos??? Ja??? aber jetzt mal unter uns Pastoren Töchtern…

    Das ist doch alles nichts neues… ich persönlich arbeite seit 7 Jahren in diesem Gewerbe und habe vorher bereits mit anderen Berufssparten zu tun gehabt bzw. gearbeitet… aber nirgendwo anders wird man so ausgenutzt wie im Bewachungsgewerbe.

    Und ich möchte nicht mal den Firmen die alleinige Schuld geben… meiner Meinung nach, trifft sie nur eine Teilschuld. Einen Großteil trifft es auch unsere Regierung!

    Durch stetig neue Ausschreibungen sind Firmen dazu gezwungen immer weiter mit den Preisen runter zu gehen um noch gegen die Mitbewerber bestehen zu können. Mir sind einige Fälle bekannt wo Angebote rein kostendeckend geschrieben worden, nur damit man dieses Objekt erhält und es bei weiteren Ausschreibungen als Referenz nennen kann… und daher sind die Firmen quasi gezwungen überall zu sparen wo es geht… sei es durch Einsatz von Azubis als vollwertige Kraft oder Einstufung des SMA in eine günstigere Tarifgruppe bzw. wie oben beschrieben erst gar nicht in eine einstufen … den wenn man sich beschwert kann man davon ausgehen das man nicht mehr lange dort beschäftigt ist… da es ja genug Sicherheitskräfte von der Agentur für Arbeit gibt die den Job machen ohne zu meckern… und ich rede nicht von einer Kündigung seitens der Firma… man wird einfach in ein beschissenes Objekt gesteckt mit nur noch minimum Stunden, welches ein überleben kaum möglich machen, bis man dann selbst kündigt.

    Und selbst wenn die Unternehmen sich einig wären und die Preise alle anheben würden, damit die Sicherheitskräfte ordentlich bezahlt würden und auch gut ausgebildet werden könnten würde es wahrscheinlich ärger vom Kartellamt geben wegen einer illegalen „Preisabsprache“….

    Ich bin der Meinung das man nicht den Firmen den ganzen druck geben sollte, sondern auch mit der Regierung Gespräche führen sollte und die Ganze Branche von grund auf neu zu strukturieren…

  3. Dirk sagt:

    Mir fehlen auch die worte!!!
    Denn obwohl hier so schön der inhalt des paragraphen 4, ziffer 1 mtv beschrieben worden ist, bekomme ich zur zeit kein angebot zur weiter beschäftigung unterbreitet, sondern es wird von mir aktuell verlangt, mich einem „eignungsfeststellungsverfahren“ zu unter ziehen. Dieses sei voraussetzung, überhaupt in diesem unternehmen einen job zu erhalten. Und ja, es geht um köln/bonn, und ja, dieses unternehmen ist mitglied im bdsw. Frohes neues

  4. Ralf sagt:

    Woran mal wieder sieht, dass
    1.) immer noch gilt: Wo kein Kläger, da kein Richter !
    2) Kunden (gerade größere) sich systematisch ihrer sozialen Verantwortung entziehen, in dem sie Aufträge an Unternehmen vergeben, die offensichtlich Tarifbestimmungen unterlaufen
    3) es BDSW-Unternehmen offensichtlich wichtiger ist, ein paar Euro zu sparen als in den – seit Jahren stark lädierten – Ruf zu investieren – das Geschrei wird erst dann wieder laut, wenn mal wieder Leute fehlen !

    Insgesamt: ein schlechtes Bild für den BDSW und dessen Kunden !

    Grüße

  5. Olaf sagt:

    Weiter so……mit Sicherheit!!!

  6. sascha sagt:

    Was soll Man dazu noch sagen , Mir fehlen DIE WORTE, Scheint aber weit verbreitet zu sein das hier einige unternehmen so handeln nur um auf den rücken der kollegen sich zu bereichern !!! MIR FEHLEN ECHT DIE WORTE. Jetzt Muss gehandelt Werden