Kötter…oder wie man Betriebsräte vernichtet!

11. August 2017 | Von | Kategorie: Leitartikel

Das Kötter Imperium schlägt wieder einmal zu. Wie immer ohne Rücksicht auf Verluste.

Dieses Mal richtet das Imperium seinen Blick auf die Niederlassung Bielefeld. Dort unternahmen die Beschäftigten nämlich 2013 den Versuch, einen Betriebsrat zu gründen. Kötter konnte zwar  diesen ersten Versuch verhindern, indem die Wahl erfolgreich angefochten werden konnte. Doch die Kolleginnen und Kollegen liessen sich nicht beirren und wählten 2014 erneut. Dabei konnte dann die verdi-Liste eine 2/3 Mehrheit erlangen. Viele der Beschäftigten in der Niederlassung Bielefeld sind in der Gewerkschaft organisiert.

Von Anfang an gegen die Wand

Doch wer glaubt, dass Kötter das einfach so akzeptiert, kennt das Unternehmen nicht. Von Anfang an musste der Betriebsrat um seine Mitbestimmungsrechte kämpfen. Einfachste Informationen mussten vor Gericht eingeklagt werden. Maßnahmen des Arbeitgebers, die klar gegen die Mitbestimmung verstoßen, konnten nur per einstweiliger Verfügung gestoppt werden und und und…

2015 schon droht der Arbeitgeber dem Betriebsrat durch einen Anwalt, dass wenn der Betriebsrat so weitermacht, die Anwälte dann nur noch ein letztes Mal Geld verdienen würden…

Doch die Beschäftigten stärken dem Betriebsrat den Rücken und der Betriebsrat lässt sich nicht einschüchtern.

Das Imperium duldet keinen Widerstand

Doch Kötter geht weiter. Dem Betriebsratsvorsitzenden werden einfach große Teile des Lohns einbehalten. Das Geld wird eingeklagt, Kötter verliert das Verfahren. Doch was schert Kötter ein Gericht?

Die Zwangsvollstreckung musste eingeleitet werden, dann zahlt Kötter eine Zeit lang den richtigen Lohn, dann beginnt das Spiel erneut. Wir berichteten damals bereits ausführlich hier:

Kötters Kampf gegen Betriebsräte

Monatelang versucht Kötter den Betriebsratsvorsitzenden in die Knie zu zwingen, indem ihm einfach monatlich bis zu 850 Euro zuwenig bezahlt werden. Wieder verliert Kötter vor Gericht!

Kötter installiert eine Überwachungskamera vor dem BR-Büro, wieder berichten wir hier und auch die Presse greift das Thema, wie Kötter mit Betriebsräten umgeht, auf:

Sicherheitskonzern Kötter hat Ärger mit seinem Betriebsrat

Der Betriebsrat lässt sich aber nicht aufhalten

Es werden einige Betriebsvereinbarungen angestoßen, die dem Imperium allerdings nicht gefallen.

Im September 2016 geht der Betriebsrat dann sogar soweit, eine Vernetzung zu anderen Kötter-Betriebsräten anzustreben. Über das Arbeitsgericht wurde der Grundstein für eine Konzernbetriebsratsgründung angestrebt.

Schon einen Monat später, im Oktober 2016 beginnt Kötter damit, lukrative Alarmkundenaufträge abzugeben und über andere Kötter-Niederlassungen abzuwickeln. Konzerninterne Verrechnungssätze wurden zu Ungunsten der Niederlassung verringert.

Der Todesstoß

Am 15. März 2017 teilt die Geschäftsführung, nach der vollständigen Abgabe der Alarmkundenaufträge mit, dass die Niederlassung nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann.

Fast 200 Beschäftigte sind betroffen! Sofort werden Verhandlungen zu einem Sozialplan und Interessensausgleich eingeleitet. Der Arbeitgeber muss die Zahlen vorlegen. An der Seite des Betriebsrates sitzen ein Fachanwalt und Vertreter von verdi.

Und wir wundern uns, denn die Abgabe der lukrativen Aufträge hat klar die Niederlassung erst ins Minus geführt. Der Betriebsrat schlägt Maßnahmen zur Rettung vor, doch der Anwalt des Imperiums unterbricht sofort und macht unmissverständlich klar: Über die Schliessung der Niederlassung wird nicht diskutiert!

Kötters Sozialplan: Schwerbehinderte, kranke und langjährig Beschäftigte raus!

Rentner und befristet Beschäftigte sollen dagegen eine Weiterbeschäftigung in anderen Kötter Stützpunkten bekommen.

Das ist kein Sozialplan, hier wird aussortiert!

Doch auch den Beschäftigten, denen Kötter eine Anschlussbeschäftigung verspricht, will Kötter keine Garantien geben. Schriftlich gibt es nichts. Auch auf einer Betriebsversammlung wird eine Garantie für die Beschäftigten eingefordert. Der Geschäftsführer selbst spricht fast garnicht zu den Beschäftigten, das lässt er seinen Anwalt erledigen. Und dieser verspricht großspurig, dass er uns das gerne morgen schriftlich gäbe. Natürlich war das nicht der Fall.

  • 70% der Schwerbehinderten sollen ihren Arbeitsplatz verlieren
  • 100% der Langzeitkranken, von denen einige vor der Genesung stehen, sollen entlassen werden
  • 76% der Rentner sollen weiterbeschäftigt werden
  • 23 befristet Beschäftigte sollen weiterbeschäftigt werden, die langjährig Beschäftigten mit Familien sollen gekündigt werden
  • usw., usw.

Eine Einigung am Verhandlungstisch hat Kötter ausgeschlossen, Vorschläge des Betriebsrates werden rigoros abgelehnt.

Ich selbst war beim ersten Gespräch zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat dabei. Damit diese Schweinerei nicht ans Licht kommt, wurde ich aufgefordert, eine Verschwiegenheitsverpflichtung zu unterschreiben. Echt jetzt?…

Als ich das nicht tat, drohte mir der Anwalt des Imperiums klar und deutlich mit einer Klage, wenn er irgendetwas über Kötter hier auf wasi-nrw.de lesen würde. Nochmal: Echt jetzt?…

Es geht in die Einigungsstelle

Statt sich mit unerwünschten Rettungsversuchen und Verhandlungsversuchen aufzuhalten, hat Kötter jetzt selbst die Einigungsstelle angerufen. Und geht gleichzeitig selbst an die Presse…

Denn Kötter hat möglicherweise jetzt Angst vor der eigenen Courage. Denn der Einigungsstellenvorsitzende wurde schon mehrfach vom Betriebsrat hinzugezogen. Nun behauptet Kötter aber, der Betriebsrat hätte versucht, den Vorsitzenden abzulehnen, weil man irgendwelche Vorbehalte habe. Blödsinn! Ich persönlich glaube nicht, dass es Kötter so gelingt, im Vorfeld der Verhandlungen Einfluss auf den Vorsitzenden zu nehmen, aber es wird spannend.

Am 24. August findet der erste Termin statt.

Wir berichten weiter…

 

 

Schlagworte: ,

2 Kommentare auf "Kötter…oder wie man Betriebsräte vernichtet!"

  1. Frank Démant sagt:

    Kenne ich irgend woher. Bin als stellv. BR Vorsitzender auch unliebsam. Am 23. Dezember 2016 lag der Zustimmungsantrag als Weihnachtsgeschenk für eine fristlose Kündigung vor. Zustimmung wurde vom Gericht abgewiesen. Objektbesuche wollte man mir untersagen und auch Kostenübernahme für Seminare. Auch dieses wurde gerichtlich zu meinen Gunsten geklärt. Habe nun im September Kammertermin auf zuwenig gezahlten Lohn. Bis dahin wird sich die Summe auf ca.7500€ belaufen. Mir werden jeden Monat ca. 575€ zu wenig überwiesen. Gruß an den Kollegen, der mich nun an die Imperiumsspitze meldet.

  2. Caro sagt:

    Die ganze Geschichte ist sehr bedauerlich. Fairer Weise muss man aber sagen, dass der Konflikt von allen Beteiligten gesucht wurde und auch seitens des BR einige Blockaden wirklich unnötig gewesen sind. Am Ende hat sich der BR verzockt. Es ist besser, wenn wir zukünftig realistischer agieren und auch mal Verständnis für die AG zeigen und mit dem Kräftemessen aufhören.